GELD - ARZT - BROT und ESSEREI - TEE - STRASSEN - SEHENSWÜRDIGKEITEN - SOLOTOUREN - FOTOGRAFIEREN - ÜBERNACHTUNG - ANREISE
Mein gesamter Etat belief sich auf ca. 1500 DM (vor u.
während der Reise), die sich etwa wie folgt aufteilten:
vor der Reise:
450 Anreise, 90 Gebrauchsmaterial (Landkarten, Reifen ...), 60 Esserei, 200
Verbrauchsmaterial (Filme, Versicherung ...).
während der Reise:
130 Sehenswürdigkeiten, 80 Fähren u. 4*Zeltplatz, 40 Telefon, Briefmarken u. Postkarten,
45 Sonderausgaben (Medizin, 2 Landkarten), 150 Mitbringsel. Der Rest war überwiegend
Esserei.
nach der Reise:
60 Diarahmen und Filmporto
Insgesamt betrachtet ist Schottland kein billiges Reiseland, sondern tendenziell teurer als Deutschland. Der Umtauschkurs
zu meiner Reisezeit lag etwa bei 3 DM - 1 £. 50 £ und 50 DM nahm ich am Anfang bar mit, später benutzte ich
in der Regel Euroschecks zum Geldholen bei Banken. Die haben den Vorteil geringer Gebühren (1%, min. 1,50 DM ???) und
eines günstigeren Wechselkurses als beim Bargeldtausch.
Sich in ärztliche Behandlung zu begeben, ist beinahe einfacher als zu Hause: Arzt finden (bei der Touristeninformation Adressen erfragen), der noch Platz hat im Terminkalender, kleines Formular ausfüllen - fertig. Kein Anspruchsschein nötig, keine weiteren Scherereien. Medikamente müssen nach meinem Wissen immer voll bezahlt werden. Eine private Reisekrankenversicherung für den Fall eines evt. Rücktransportes hatte ich abgeschlossen und halte sie auch für sinnvoll.
Großbritannien gilt nun schlechthin als das Teeland, doch war ich ein weig enttaeuscht. Zumindest in den Supermaerkten war das Angebot mehr auf die Vielkonsumierer von Beuteltee zugeschnitten und lose Tees waren nicht nach meinem Geschmack. Führe ich wieder mal nach Schottland, nähme ich wohl meinen Lieblingstee gleich mit.
Die Briten haben offenbar ein recht eigenes Verständnis für Brot entwickelt:
Ich hatte die Wahl zwischen Toastbrot, Toastbrot und Toastbrot, mal teuer, mal billig,
mal etwas mehr, mal etwas weniger schmackhafte Kruste, aber sonst immer die gleiche "Konsistenz" (für Zahnlose gewissermaßen).
Getröstet habe ich mich mit zwei Dingen: a) bald ist es wieder vorbei, b) Brot braten,
denn so bzw. richtig getoastet ist daran nichts auszusetzen.
Mein Frühstück bestritt ich in der Regel mit Marmeladebroten, mittags und abends mußte jeweils eine
Dose Fisch herhalten (eine Angewohnheit aus Norwegen und Finnland, schließlich ist Fisch gesund und trotz ca. 35 Dosen in Schottland esse ich erstaunlicherweise noch immer mit Appetit Thunfisch und Sardinen). Daneben gabs
zum Mittag zweimal wöchentlich was Warmes (gefriergetrocknete Fertiggerichte).
Der Belag reichte auf den von mir befahrenen Straßen von superglatt bis ziemlich
rauh (etwa, als ob lediglich eine Lage Schotter auf der Straße festgeklebt worden
wäre), manchmal gesellten sich ganz hübsche Schlaglöcher und Bodenwellen dazu,
so daß ich mich noch heute wundere, keinen Speichenbruch gehabt zu haben, vor allem bei
rasanten Talfahrten. Ich traf auch Reiseradler, die eine Tour auf der Isle of Mull mit superduennen (Rennrad-)Reifen ohne nennenswerte Probleme ueberstanden haben, was mich ebenfalls erstaunte.
Fernstraßen sind in der Regel ausgezeichnet nivelliert und manchmal hat der Fernverkehr die Wahl zwischen zwei Verbindungen zwischen A und B, entscheidet sich meist für die weniger reizvolle, aber kuerzere/schnellere ..., so daß zum Radeln eine herrlich freie Piste bleibt (durchs Glen Shee z.B. ... O.K., O.K. - Devil's Ellbow würde ich nicht als ausgezeichnet nivelliert bezeichnen, aber dieses Teilstück fällt auch in eine andere Kategorie :-))).
... reißen ganz schöne Löcher in die Reisekasse. Der einzige Trost ist
meistens, daß so noch bei der kleinsten Ruine (und davon gibts genug in Schottland) Arbeit für die Dame an
der Kasse, den "Rasenmähermann" und dgl. mehr geschaffen wird. Somit entlastet der Tourismus in recht
großem Umfang und ohne Umwege den britischen Arbeitsmarkt.
Die Eintrittspreise starten bei 1,90 £ für eine Fortanlage am Hadrianswall, erreichen den Gipfel der Frechheit mit
3,20 £ für die mickrigen Überbleibsel des Urquhart Castle und zum sagenhaft günstigen Preis von 5,50
£ drängen die Touristen wie bekloppt ins Edinburgh Castle. Die Werbung für ihren Whisky lassen sich die
"Classic Malt"-Destillerien z.B. mit 3 £ vergüten (Glenfiddich dagegen ist kostenlos zu besuchen - aber keineswegs umsonst!!!).
Der Großteil der Sehenswürdigkeiten in GB ist im Besitz von Organisationen (wie z.B. National Trust, English
Heritage o. Historic Scotland ...), die sich um Erhalt und Vermarktung kümmern.
Die Besitzungen können gegen
normalen Eintritt (Ermäßigungen für Studenten gibt es bei Historic Scotland nicht) besichtigt werden, auf
"Dauer" lohnt sich eine Jahresmitgliedschaft (Historic Scotland - Studenten unter 21: 12 £, sonst 18 £;
National Trust - Studenten unter 25: 10 £). Kauft man eine solche Karte z.B. Anfang August, so ist sie bis Ende August
des Folgejahres gültig (und 4 mal/Jahr kommt ein Heftchen mit bunten Bildern ins Haus).
Eigentlich bin ich kein Fan von Allein-Unternehmungen. Es ist mehr so aus der Not heraus
geboren. Als ich 1996 die Finnland-Reise geplant habe, kannte ich kaum jemanden, der hätte
mitfahren können. Immerhin ist eine mehrwöchige Tour kein Spaziergang und kein
Sonntagsausflug zur nächsten grünen Wiese. Trotzdem ich der Meinung bin, daß meine
Touren von jeder mit Durchschnittskondition locker zu machen sind, sind die damit verbundenen
Anstrangungen und Entbehrungen nicht jedermanns Sache.
Ergo: Wenn sich kein mitreisender Radfan findet, um das Erlebnis zu teilen, hat man die Wahl: Urlaub
auf Balkonien oder allein in ...
Die sich ergebenden Nachteile (z.B. keine Unterstützung beim Transport von Zelt, Fotoausrüstung, Esserei, Werkzeug,
keine Möglichkeit, das Rad unter Aufsicht irgendwo kurz stehen zu lassen, alle Probleme
allein in den Griff bekommen zu müssen usw.) werden sehr schnell aufgewogen durch die angenehme Tatsache totaler Freiheit:
Fahren wann, wo, wie, wie lange, wie schnell auch immer, so viel oder wenig Komfort, wie die Reisekasse zuläßt,
keine Diskussion über die Schlafgelegenheit für die nächste Nacht, keine Rücksichtnahme auf konditionelle
Möglichkeiten Mitreisender usw.
Ich gehe nicht so weit, zu sagen, daß ich Radtouren auch künftig nur allein machen werde (und wenn jemand sich
bemüßigt fühlt, mir eine gemeinsame Tour vorzuschlagen oder Interesse an zukünftigen Vorhaben
zu äußern: Island, Nordkalotte, Australien, Alsaka, bitte schön:
Mail an mich!), doch die Vorteile liegen klar auf der Hand und werden von mir immer wieder aufs Neue den vermeintlichen Unbequemlichkeiten gegenüber gestellt.
Das Elixier bei meinen Reisen, Beschäftigung während der Tour und Gelegenheit für kleine Pausen, schöne
Erinnerung im Nachhinein.
Entsprechend umfangreich ist meine Ausrüstung: Canon EOS 1000 FN, 2 Objektive, Blitzgerät, Stativ, Filter, viele Filme.
Ich fotografiere seit langer Zeit nur noch mit Dia-Filmen (Fuji Sensia, Sensia II), da sich im Dia jede nur denkbare
Präsentationsform finden läßt:
Papierbildabzug mgl., Dia-Vortrag, übersichtliche Archivierung, einfache Digitalisierung, gute Abbildungsqualität ohne
Verfälschungen bei mehrfachen Kopierprozessen (Negativ-Papierbild-Datei).
Bisher führten mich meine Reisen immer in Gegenden, in denen wildes Campen erlaubt ist. Das war und ist immer noch ein entscheidender Gesichtspunkt bei der Reiseplanung, doch nirgendwo war es so schwierig umzusetzen, wie in Schottland. Bedingt durch die weitläfig betriebene Viehwirtschaft ist fast jedes Stück Land erstens in Privatbesitz, zweitens meist ummmauert oder -zäunt und drittens beweidet. Ein Drittel meiner Zeltplätze war wohl unbedenklich, einige weitere der Erlaubnis freundlicher Farmer zu verdanken (eine gute Notlösung, denn bei freundlicher Nachfrage mit der Bitte, das Zelt für eine Nacht auf einer Wiese aufstelllen zu dürfen, stieß ich nie auf Ablehnung, ganz im Gegenteil) und der Rest entfiel auf Zeltplätze oder in die Rubrik "Glück gehabt und nicht erwischt worden!".
Unkompliziert mit IC direkt von Jena nach Hamburg (Rail and Ship-Ticket), von dort mit Scandinavian Seaways nach Newcastle.