Jena - Newcastle - Dumfries - Isle of Arran

So. 3.8.97, 12 km, Jena-Nordsee

Direkt hinter dem Haus geht es am Sonntag um 8.30 los. Das vollgepackte Rad schlenkert beim Losfahren noch ein paar Mal hin und her, ich muß mich erst wieder ans kräftigere Zupacken gewöhnen, dann habe ich es fest im Griff und fahre die paar Kilometer zum Bahnhof. Glücklicherweise fährt ein IC in 6 Stunden direkt nach Hamburg-Altona, so kann ich mich zurücklehnen, ein wenig dösen, die Landschaft vorüberziehen lassen und auf die Ankunft in Hamburg warten. Meine Reisevorbereitungen waren gewissenhaft genug (obwohl ich insgesamt nur 3 Wochen Zeit hatte, inkl. Bücher lesen, Fähre buchen, Material checken, Fahrrad startklar machen ...) und ich brauche mich nicht zu sorgen, daß ich irgendetwas vergessen haben könnte (meine Ausrüstungsliste, die ich für Norwegen mit Matthias begonnen und danach immer weiter verbessert habe, macht sich bezahlt).
Pünktlich um 15.00 erreiche ich Altona und fahre die paar Meter zur Fähre hinunter, kein Blick rechts oder links zum Hafen, erstmal einchecken (zusammen mit mehr als zwei Dutzend anderen Radlern - Ortlieb könnte hier einen Werbe-Spot drehen, kaum jemand hat nicht mindestens eines der wasserdichten Teile dabei).


Hagen im Glen Kinglas

Ich beziehe meine Liege in einem der Abteile, die so richtig am A... des Schiffes liegen - direkt in Maschinennähe, des Nachts hat man dann die Ganzkörpermassage inklusive, nebst nervtötendem Lärm, Türenklappern usw. und sollte der Kahn absaufen, hätte ich später wohl kaum eine Chance zum Schreiben meines Reiseberichtes, es sei denn, Wolke Nummer soundso hat einen Internet-Anschluß. Die billigere Alternative zu Liegeabteilen sind (momentan ausgebucht und sowieso nur während der Hauptsaison) "Liege"sessel mit dem unglaublichen Komfort eines kollektiven Schnarchkonzerts und einem Sauerstoffgehalt in der Luft, der besser wirkt als jede Schlaftablette.
Na ja, 17.00 jedenfalls stechen wir mit der "MS Admiral of Scandinavia" (Scandinavian Seaways) in See (oder besser: in die Elbe, bis zur Nordsee dauert's noch etwa 5 Stunden), genießen den Blick in den Hafen, die Zapfanlage auf dem Sonnendeck steht erstmal eine ganze Weile nicht mehr still, die Leute benehmen sich, als hätten sie daheim kein Bier trinken können, die Sonne scheint und die Elbufer ziehen vorüber. Bis 21.00 spaziere ich an Deck herum, esse etwas Gemüse, schreibe Tagebuch und lese, dann versuche ich, zu schlafen - wenn die Nacht schon nicht so gemütlich wird, will ich mich wenigstens etwas ausschlafen können.

Mo. 4.8.97, 51 km, Nordsee-b. Newcastle

Während der Nacht hat sich das kleine Kabinchen ganz gut aufgeheizt und ich schwitze im Schlafsack, den ich dem Schiffs-Bettzeug vorzog. Um 8.00 beendet eine Lautsprecherdurchsage mit Bitte zum Frühstück und Voraussage der Ankunft für 16.00 deutscher Zeit die Nachtruhe. 3 Möhren ersetzen das Frühstück. Der Autofahrer in unserer Kabine meint zu mir, wir, die restlichen 3 also, seien ja mutig, mit dem Motorrad nach Schottland zu fahren - ich erzähle ihm, daß ich mit dem Fahrrad unterwegs bin ...
Die Sonne scheint, das Schiff zieht eine gleißende Spur durchs Wasser und das Sonnedeck ist voll besetzt. Ich ergattere einen Stuhl und verbringe den Hauptteil des Tages sitzend und lesend in der Sonne, die Quittung dafür bekomme ich einen guten Tag später.
Irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl im Bauch, nein - kein Seegang, mehr die Ungewißheit, was mich wohl erwarten wird, es vergeht hoffentlich, wenn ich wieder in die Pedale treten kann und sehe, wieviele Kilometer täglich machbar sind (in der Zeit nach dem Finnland-Urlaub saß ich nur 30 Stunden auf dem Rad, nicht gerade umfangreich und konditionsfördernd, so muß ich abwarten, was ohne Vorbereitung "drin" ist).
Auch die längste Schiffsreise hat mal ein Ende, diese gegen 15.00 Ortszeit. Vorher gilt es, das Rad wiederzufinden. Eine Flut von Autos und danach von Radlern ergießt sich an Land, kurze Ausweiskontrolle und ich bin im Land von: "Drive left!".


Hochlandrind auf Mull

Ich folge der Beschilderung Wallsend, das ist etwa meine Richtung, bis ins Zentrum von Newcastle (für die Hinfahrt durch Newcastle kann ich keinen Tip geben, zu kompliziert ist die Fahrerei), dort erkundige ich mich bei einem Passanten nach einem guten Weg aus der Stadt heraus. Er schlägt vor, zum Tyne hinunter zu fahren und daran entlang, fragt nach meinem Woher und Wohin und meint zum Abschied "Let's shake hands, you're courageous!". Den Fluß finde ich nicht auf Anhieb und brauche schon das erste Mal viel Mut, als ich unerlaubterweise Motorway fahre (im Prinzip eine Stadtautobahn mit allem, was dazugehört: Fahrradverbot, riesige Kreisverkehre mit Spurwechsel und schnelle Autos. Immerhin kam ich so aus der Stadt auf die A69 (Dual Carriageway - also Autobahn ohne Fahrradverbot). Ich folge ihr bis zum Abzweig Heddon-on-the-Wall, um dort auf die B6318 zu stoßen, die, auch bekannt als "old military road", entlang der Reste eines Römerwalls (der sog. Hadrian's Wall verband Ost- u. Westküste) führt. Zum Bau der Straße wurden früher Steine des Walls verwendet, heute ziert sie dankenswerterweise ein ordentlicher Asphaltbelag, nur am Verlauf hat sich nichts geändert - das Sträßchen nimmt jeden Hügel mit.
18.30 habe ich die Nase für heute erst mal voll, hole Wasser, erkundige mich nach einem geeigneten Platz für mein Zelt und campiere dann direkt links der Straße gleich hinter der Kreuzung mit der A68. Das Wetter macht einen vielversprechenden Eindruck.

Di. 5.8.97, 109 km, b.Newcastle-Annan

[Etappe zeigen] 6.35 scheitern meine Versuche, weiterzuschlafen und ich stehe auf. Der Wind hat sich beruhigt, der Himmel ist bedeckt und ich spüre erste Anzeichen eines Sonnenbrandes. Ich werfe den Kocher an und koche Wasser für den Morgentee, mit dem Fortkommen habe ich keine Eile. Als ich mich schließlich auf die Straße begebe, machen meine Beine keinen erholten Eindruck und es kommen mir ein paar Zweifel an meinem Vorhaben. Vor Chollerford rase ich zwei 12%-Gefälle hinunter, Chesters Fort ist erst ab 10 zu besichtigen und ich lasse es links liegen. Nach dem Abbiegen aus dem Kreisverkehr lande ich kurz auf der falschen Straßenseite, glücklicherweise kommt kein Auto und ich lasse es mir eine Lehre sein. Den folgenden Anstieg nutze ich gleich mal zum Absteigen und Schieben. Die Weiterfahrt führt zum Mithras-Tempel (nicht weiter sehenswert) und zum Housesteads Fort (ein Liegerad steht auf dem Parkplatz, langsam werden auch die Autotouristen munter, ich pausiere - inzwischen habe ich endlich wieder richtig Hunger). Für 1,90 £ darf man ein kleines Museum ansehen und in den Ruinen rumlaufen. Damit habe ich mein heutiges Kultur"pensum" absolviert, der Rest des Tages ist dem Radfahren vorbehalten. Gegen Mittag kommt die Sonne raus.


Sweetheart Abbey

Die alte Militärstraße verlasse ich in Gilsland und entscheide mich für die Weiterfahrt über Brampton. Ein Navigationsfehler zwingt mich zur kurzzeitigen Benutzung der A68 (nach Gilsland Abzweigung nach Low Row beachten und von dort weiter auf Nebenstraßen nach Brampton!), auf der ich flott vorankomme und nebenbei Blut und Wasser schwitze, weil mir nur der Platz jenseits der Randmarkierungsreflektoren bleibt. Die Reflektoren, die oft in die Straßen eingelassen sind, stellen meines Erachtens nach eine britische Besonderheit dar. Sicherlich ganz nützlich und vor allem gut fürs Geschäft der Autoreifenhersteller - als schwer bepackter Tourenfahrer habe ich es vermieden, drüberzufahren. In Brampton checke ich im Spar-Markt gleich mal die Versorgungslage in GB (s.a. Meine Tips), entscheide mich für eine Sardinenbüchse als spätes Mittagessen (nein, nicht die Dose habe ich mir einverleibt, sondern schon mehr den Inhalt) und nehme ein Glas original englische "Marmalade" mit.
Die A6071 von Brampton Richtung Longtown erweist sich als gemütliche Über-Land-Fahrt, der Himmel zeigt sich sonnig und ich radle pfeifend meines Wegs. Landschaftlich hat die kurze Strecke allerdings nicht viel zu bieten. Weiter nach Gretna Green - ich überquere endlich die schottische Grenze, der Urlaub kann beginnen.
Beim Auffüllen meiner Trinkflaschen verabschiedet sich mein Fahrradständer, indem er sich wortwörtlich "querstellt" (also verbiegt), als ich das Rad kurz an der Straße lasse. In Annan rufe ich deshalb zu Hause an und "bestelle" einen neuen. Hinter Annan beginnt der "Solway Coast Heritage Trail", dem ich fortan für fast zwei Tage folge. Ruthwell lasse ich links liegen und mache es mir nach dem Abbiegen auf die B752 Richtung Caerlaverock Castle am Rande eines gemähten Feldes mit meinem Zelt gemütlich.

Mi. 6.8.97, 102 km, Annan-Kirkcudbright

[Etappe zeigen] Die Sonne begrüßt mich beim Zähneputzen. Mein Sonnenbrand macht Probleme, weshalb ich in Dumfries einen Arzt aufsuchen werde. 9.30 besichtige ich das erste schottische Castle (Caerlaverock C., 2,70 £). In Dumfries kaufe ich eine Südschottland-Karte im Maßstab 1:250000 mit groben Höhenlinien und schöner Geländedarstellung, auf der auch kleine Straßen gut zu erkennen sind, die absolut beste Karte, die ich mir wünschen kann.


Caerlaverock Castle

Mittagspause mache ich an der Sweetheart Abbey (1 £) auf dem Rasenstreifen neben dem Parkplatz und stelle mir vor, mich mit den Augen eines Touristen dort mit meiner Sardinendose sitzen zu sehen, muß wohl ein bißchen ärmlich aussehen, aber ich fühle mich einfach pudelwohl so. Vom Ort New Abbey gibt es zwei Möglichkeiten, weiterzufahren: direkt westlich auf einer schmalen Straße oder südlich entlang der Küste. Ich entscheide mich für die Küste, der Empfehlung des Arztes aus Dumfries folgend. Das Wetter ist so gut, daß die Strände gefüllt sind, während ich mich am Auf-und-Ab der Straße erfreue. In Dalbeattie hole ich Wasser-Nachschub und unterhalte mich eine Weile mit den Knirpsen der Hausbesitzer. Bis Auchencairn führt die A711 im grünen Tal entlang, um danach anzusteigen und über Dundrennan (gleichnamige Abtei) nach Kirkcudbright zu führen. Für heute habe ich die Nase voll, kaufe ein weiches Toastbrot ("Mighty White" - "Mächtiges/gewaltiges Weißes", was für ein Brotname!) und suche wenige Meter weiter nach der nächsten Steigung neben einem riesigen Muschelhaufen einen Rastplatz.

Do. 7.8.97, 107 km, Kirkcudbright-Barrhill

[Etappe zeigen] 6.20 weckt mich Möwengeschrei, die Sonne guckt über den Hügel, ringsum blauer Himmel. Um Mitternacht schon war der Himmel sternklar und durch meine Lage auf dem Hügel hatte ich eine prima Rundumsicht. 8.20 starte ich in den neuen Tag. Die A755 benutze ich ein Stück, bis sie kurz vor Gatehouse of Fleet auf die A75 stößt. Angesichts erträglichen Verkehrs nutze ich die A75 mit (stellenweisen) Randstreifen bis Newton Stewart. Alternativ wäre die B796 zu versuchen. Entlang der Hauptstraße können zwei Castles und eine Höhle besucht werden. Unterwegs vermittelt der Blick rechter Hand auf die Hügel der Cairnsmore of Fleet einen ersten Eindruck von den kahlen und gewaltigen schottischen Hügeln, während links das Meer liegt und sich je nach Gezeitenstand mehr oder weniger Wasser zeigt. Newton Stewart schenke ich keine weitere Beachtung, kaufe aber preiswerte Kekse als "Pausen-Snack" und fahre nordwärts auf der A714, biege in Challoch vor der Kirche links ab auf die B7027. Bevor ich ein Stück schattigen Wegs durch eins der seltenen Waldstücke fahre, das mich an Finnland erinnert, präsentiert sich der Kirroughtree Forest als Teil des beliebten Galloway Forest Parks in der Ferne fotogen mit blauem Himmel.
Während der Mittagspause vertreibe ich den Anglern an einem kleinen Tümpel sicherlich auch die letzten Fische mit dem Gebrumme meines Kochers - ich habe dann wenigstens was zu beißen. Wenige Meter später biege ich auf die erste Single Track Road ein, um darauf nach Glenluce zu gelangen. Von der Abtei stehen nur noch ein paar Reste, wie so oft, ein Raum ist jedoch restauriert und mit schönen Fenstern versehen worden. Dem Kassenwart kann ich glaubhaft machen, eine "fulltime education" zu absolvieren, weshalb ich den 12 £-Pfund-Jahrestarif von Historic Scotland nutzen kann und eine Mitgliedschaft antrete (Eintritt wird verrechnet). Nach ausführlicher Besichtigung widme ich den Rest des Tages dem Vorwärtskommen Richtung Norden auf einer einsamen Straße und durch ein (für meine bescheidenen Ansprüche) schönes Hochtälchen. Eine wahnsinnig lange Abfahrt führt nach Barrhill, unweit davon erlaubt mir ein Bauer, mein Zelt für eine Nacht auf seiner saftig-grünen Wiese inmitten des ebenso grünen Tales aufzuschlagen.

Fr. 8.8.97, 104 km, Barrhill-Brodick

[Etappe zeigen] Wie in jedem Land rühmt sich auch in Schottland ein Fleckchen Erde, die ganze Region mit all ihren Reizen in Miniatur zu repräsentieren - hier ist es die Insel Arran: mit Bergen bis ca. 2900 Fuß, Flußtälern, langen Stränden, Wäldern, einer Portion Sehenswürdigkeiten und seit 1995 auch einer Destillerie in Lochranza.


Culzean Castle

Arran werde ich heute ansteuern, vorher steht jedoch ein Abstecher zum Culzean Castle auf dem Programm. Die Straße dorthin führt sehr schön gelegen bis Girvan (in der Ferne im Meer ein bizarrer Felsen), stören können da nur die Tiefflieger, die sich ihren morgendlichen Adrenalinschub bei halsbrecherischen Flügen durch die Täler holen. In Girvan empfiehlt es sich spätestens, in der Touristeninformation einen Fahrplan der Caledonian MacBrayne-Fähren (CalMac) mitzunehmen, die auch die Strecke nach Arran bedienen. Hinter Girvan halte ich mich möglichst nahe der Küste. Culzean Castle ist eine beeindruckende Anlage, direkt über dem Meer gelegen mit großen Gartenanlagen (mit Palmen! - jawohl, Palmen, denn die können hier dank des günstigen Klimas beinahe in jedem Vorgarten gedeihen). Für 10 £ (Tarif bis 25 Jahre) werde ich Mitglied im National Trust for Scotland, da auch hier die 4 £ Eintritt gleich verrechnet werden. Auf der Küstenstraße A 791 erreiche ich Ayr mit seinen zahlreichen Robert Burns-Gedenkstätten. Der ausgeschilderte Bypass zur Stadtumfahrung wird bald zum Dual-Carriageway Richtung Irvine. Darauf zu fahren ist fast so gut und gefährlich wie auf einer deutschen Autobahn, für die nächsten zwei Stunden schwitze ich Blut und Wasser, bevor ich in Saltcoats ankomme. Auf diesem Streckenstück bieten sich leider auch keine echten Alternativen an, um flott voranzukommen. Im Supermarkt bekomme ich meinen Einkauf gleich eingepackt, Brot, Fisch, Marmelade und O-Saft verschwinden der Einfachheit halber gleich in zwei Tüten, bevor ich protestieren kann (apropos Tüten: die Safeway-Tüten sind der beste Regenschutz für meine Lenkertasche - sitzen wie angegossen).
Nicht weit entfernt ist der Hafen, für 6,60 £ kaufe ich mein Hopscotch-Ticket (spare zwar nur 70p am normalen Fahrpreis, aber 2 £ fürs Fahrrad). 18.00 legt die Fähre ab und langsam lösen sich die Konturen der Isle of Arran aus dem Dunst heraus. Arran scheint eine richtige Urlaubsinsel zu sein: Golfplatz, Wanderwege, Unmengen Fährgäste zu Fuß. 20.00 schaue ich beim Brodick Castle mit seinen üppigen Rhododendron-Büschen vorbei und wundere mich über etliche Polizisten am Castle, mit denen ich noch kurz plaudere und so zufällig erfahre, daß morgen gegen Mittag die Queen auf der Britannia zu einem Besuch erwartet wird. Tja, das ist schon ein Grund, die Reisepläne ein wenig umzustoßen und so suche ich mir einen Zeltplatz am Strand mit Sicht auf die Bucht vor Brodick.

Sa. 9.8.97, 84 km, Brodick-Kennacraig

[Etappe zeigen] Nachdem ich mich entschlossen habe, die Ankunft der königlichen Yacht abzuwarten, brauche ich mich nun nicht zu beeilen. Der Polizist vom Brodick Castle scherzte gestern leider ziemlich hellseherisch, daß das Wetter wohl schlecht würde, wenn die Queen kommt. Gegen halb elf erscheint die Britannia in Sichtweite, in gebührendem Abstand gefolgt von einem Schiff der Kriegsmarine. So wird es auch für mich langsam Zeit zum Aufbruch, ich schieße ein paar Fotos, packe zusammen und fahre in den Ort, um die Wagenkolonne passieren zu sehen. Alsdann geht es gegen 12.00 an die Inselbefahrung. Zwei Strecken stehen zur Auswahl: Die kürzere Richtung Norden (ca. 23 km) und die längere ("unten" herum, ca. 70 km). Da ich nicht auf der Insel bin, um sie nur abzuhaken, entscheide ich mich für die Südroute. Leider verschlechtert sich das Wetter, das Fahren wird bei Null Sicht, Kälte und Niesel zum mühsam-monotonen Kilometerstrampeln und läßt mich an meinem Entschluß zweifeln. Nichtsdestotrotz erreiche ich irgendwann die Westküste, die Straße führt etwas angenehmer am Wasser entlang, die Sicht bessert sich und die Nebelschwaden lassen Kintyre im Westen erahnen. In Lochranza scheint gerade die Queen vorbeigekommen zu sein, der ganze Ort ist auf den Beinen, so daß ich mich schnellstmöglich auf den Weg zur Fähre mache und vor dem Menschengewühl nach Kintyre flüchte. Mit auf der Fähre sind zwei Spanier mit bewundernswert wenig Gepäck, mit denen ich bis nach Redhouse fahre, wo wir uns trennen, ich nach einem Zeltplätzchen in freier Natur suchend, sie, um zum offiziellen Campingplatz und morgen weiter nach Islay zu fahren. Nachdem ich beim Wasserholen gleich noch ein Bier abgefaßt und einen heißen Tip zum Zelten bekomme, frage ich bei der bezeichneten Adresse nach und kann mein Zelt sozusagen auf meinem privaten Campingplätzchen aufstellen - einer kleinen Wiese mit etlichen Bäumen und separatem Eingang. Schamlos nutze ich die Freundlichkeit der Besitzer gleich noch aus und bekomme die Erlaubnis, mein Zelt morgen stehen zu lassen, kann also ohne Gepäck meine Kintyre-Rundfahrt angehen - was für ein Luxus.

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