Kintyre - Isle of Mull - Glen Coe - Fort William

So. 10.8.97, 107 km, Kintyre-Rundfahrt

[Etappe zeigen] Heute ist mein erster Sonntag in Schottland und ich genieße es, mich ausnahmsweise erst um 8 Uhr vom Wecker wecken zu lassen. Ein einzelnes blaues Fleckchen verliert sich am wolkenverhangenen Himmel. Inzwischen fielen mir noch tolle Umschreibungen für die überwältigenden Erlebnisse von gestern ein: zum Beispiel könnte man sich ein graues Pappstück vor das Gesicht halten und sich mit Heimtrainer unter die kalte Dusche stellen - der selbe Eindruck wie auf Arran. Nach dem Frühstück starte ich mit dem Nötigsten um 9.20. Die Sonne lunzt und wenig später erfreut mich herrlichster Sonnenschein. Nach den ersten paar Kilometern führt die Straße flach am Meer entlang und während mein Fahrrad dahinfliegt, kann ich den Blick schweifen lassen - über die Halbinsel Knapdale, das Inselchen Gigha, Islay und Jura als graue Schatten in der Ferne. Die Sonntagsruhe scheint alle und alles ein wenig zu verlangsamen. Doch nicht allein die sonntägliche Ruhe, auch der Gegenwind ab Glenbarr.

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Halbinsel Kintyre

Kintyre präsentiert sich saftig grün, passend vielleicht zur "Grünen Insel" - Irland - die am Horizont zu erahnen ist. Kurz vor Kilchenzie verläßt die Straße die Küste und ich fahre quer über die Inselspitze nach Campbeltown, einem kleinen Städtchen, das dem Whisky der nahen Springbank-Destillerie seinen Namen leiht und einen Hafen mit Irlandfähre hat. Segensreicherweise hat der Supermarkt auch Sonntags geöffnet, ich kann ein paar lebensnotwendige Einkäufe tätigen (Weingummi und Gebäck z.B.), später genieße ich mein Mittagessen in Hafennähe bei herrlichem Sonnenschein und schaue der anlegenden Fähre zu.
Der Nachmittag an der Ostküste gestaltet sich schweißtreibend. Auf der Michelin-Karte sind Steigungen und Gefälle über 14 % markiert und das nächste Stück Straße weist auf 29 Meilen 9 solcher Markierungen auf - ich bin ungeheuer froh über jedes Gramm Gepäck, das ich nicht zu transportieren habe.
Beim Auffüllen meiner Wasserflaschen erhasche ich ein paar Augenblick des sonntäglichen Formel 1-Rennens.
Gg. 18.00 ist mein Ausflug beendet und ich genieße meinen wohlverdienten Bohneneintopf mit Tofu.

Mo. 11.8.97, 100 km, Kennacraig-Isle of Mull

[Etappe zeigen] Der Wind blies heftig in der letzten Nacht (trockenes Zelt :-)). Meine Marmalade ist alle und ich versuche es mit "französischem Frühstück" - ohne Kaffee und Croissant, dafür mit Tee und Toastbrot.
Der allmorgendliche Abschied fällt heute besonders schwer, zu schön waren die zwei vergangenen Nächte auf dieser gastlichen Wiese. Die nächste Ortschaft ist Tarbert, doch umfahre ich sie auf Anraten eines Passanten auf einer Single Track Road ("better to climb up"), die ich ganz für mich habe und gemütlich fahren kann, abgesehen davon, daß ein paar Schafe sich in Bedrängnis gebracht fühlen und über einige hundert Meter Fersengeld geben, bevor sie am Straßenrand ins Gebüsch verschwinden. Als das Sträßchen wieder auf die Hauptstraße stößt, folgt eine langgezogene Abfahrt und bis Lochgilphead führt die A83 flach entlang der Küste, das gegenüberliegende Ufer am Loch Fyne ist nur schemenhaft zu erkennen.
In Lochgilphead stärke ich mich mit etlichen süßen Brötchen und Ingwer-Marmelade und fahre weiter. Flach über Land setzt sich die Straße fort bis hinter Kilmartin, wo ein erster Hügel meiner harrt. Oben angelangt und wieder in flachem Gelände komme ich einfach nicht in Tritt. Vergeblich suche ich den Fehler am Rad - das läuft wie eh und jeh ohne einen Mucks - da schaffte mich das Hügelchen doch mehr, als mir lieb ist. Tröstlicherweise ist der Anstieg aus der anderen Richtung noch mörderischer und ich kann einem entgegenkommenden Radfahrer kaum einen aufmunternden Gruß entbieten, wohl wissend, was ihn noch erwartet. Weiter führt die Straße durch eine abwechslungsreiche Gegend, über ein paar Hügel und auch wieder am Wasser entlang, besonders schön finde ich das Teilstück zwischen Kilmelfort und Kilninver.
15 Uhr wird es allerhöchste Zeit für's Mittagesssen. Den selben Picknicktisch wie ich hat sich ein Italiener zum Lesen im Reiseführer ausgesucht. Er ist mit seinem Motorrad hier, ein Aufkleber ziert seine gelbe BMW: Islay 97. Die dort ansässigen Destillerien sind der Hauptgrund für seinen Besuch in Schottland. Bis ganz nach Norden traut er sich nicht, der Antrieb seines Bikes macht ihm Sorgen und in der nördlichen Einsamkeit ist eine Panne nicht besonders angenehm. Wir beschließen, uns in der Destillerie in Oban wiederzutreffen und brechen gemeinsam 15.15 auf.
15.50 reite ich in Oban ("Gateway to the Isles") ein, die Broschüre in der Touristeninformation verkündet die letzte Führung in der Destillerie für 16 Uhr - glücklicherweise gelten Sommerzeiten und ich kann die Führung 16.15 mitnehmen. Die Anlage ist recht klein und unspektakulär im Zentrum Obans angesiedelt, die 40 Minuten Werbung für den 14-jährigen Single Malt läßt man sich mit 3 £ entgelten, leider keine Erlaubnis zum Fotografieren ("Explosionsgefahr"). Der Supermarkt versorgt mich mit den lebensnotwendigen Dingen für die nächsten zwei Tage (z.B. Cider). Achtung: Wer meiner Streckenführung folgt, findet den nächsten ähnlich großen Supermarkt erst wieder in Fort Augustus, dazwischen gibt's natürlich immer mal wieder kleinere Läden, in Tobermory auch einen Coop (bietet ein kleines Sortiment an Festpreiswaren, die im kleinsten Dorfladen so billig sind, wie in der Großstadt). Noch am gleichen Abend setze ich mit der Fähre nach Mull über.
Beim Suchen eines Lagerplatzes (ich favorisiere eben ein steiniges Plätzchen am Straßenrand), kommen zu meiner großen Überraschung und Freude die zwei Spanier des Wegs. Sie sind doch nicht nach Islay gefahren, sondern weiter nach Oban, haben Iona mit dem Bus besucht und planen morgen Lismore ein. Jetzt löst sich auch das Rätsel ihres kleinen Gepäcks - die Räder sind auf Arran geliehen, danach geht's wieder zu Fuß oder wie auch immer weiter. Da sie beim Duart Point keinen Zeltplatz fanden, fahren wir gemeinsam zum Torosay Castle und dürfen dort auf einer Weide ausnahmsweise zelten - die Besitzerin hat nur Angst, daß uns die Hochlandrinder auf die Hörner nehmen könnten.

Di. 12.8.97, 93 km, Isle of Mull + Iona

[Etappe zeigen] Nach einer ruhigen Nacht, die nur vom Rauschen des Meeres, Möwengeschrei und blökenden Schafen belebt wurde, verlassen die beiden Spanier zeitig die Wiese, um ihre Fähre zu erreichen, die Engländer sind auch heute nicht geselliger als gestern und verkrümeln sich kurz vor meiner Abfahrt, allerdings in der falschen Richtung und kommen so bald wieder. Ich kleide mich komplett frisch ein und trinke gemütlich meinen Morgentee.
Schon die ersten Kilometer lassen mich meine Entscheidung, Mull zu besuchen, nicht bereuen. Das Wetter spielt mit und die Straße führt bei völliger Windstille vorbei am spiegelglatt daliegenden Loch Spelve, inmitten hoch aufragender kahler Gipfel entlang - ärgerlich nur, daß die Viehgitter immer am tiefsten Punkt der Straße die Schußfahrten bremsen. Bevor ich den Abzweig nach Iona erreiche, sehe ich die ersten Hochlandrinder im Bach stehen und schieße ein paar Fotos. Das Sträßchen weiter nach Iona sollte man am besten zwischen 10.30 und 12.30 meiden, wenn sich eine wahre Flut von Bussen darauf entlangwälzt und ich als Radfahrer ständig auf den Randstreifen fahren und anhalten muß, um sie vorbeizulassen, allzu selten bedankt sich ein Fahrer dafür. Ansonsten jedoch ist Iona schon allein die Reise dorthin wert, manchmal scheint es, man nähere sich immer mehr dem Ende der Welt, wenn der Ross of Mull langsam flach zum Meer hin ausläuft und die Straße so schmal ist - ich erinnere mich an die Lofoten, als die E10 immer schmaler und die Brücken irgendwann einspurig wurden, je mehr wir uns ihrem Ende näherten.


Abtei auf Iona

13.30 erreiche ich mit der Fähre (2,60 £) von Fionnphort den westlichsten Punkt meiner Reise, speise zu Mittag mit Ölsardinen und wende mich der Hauptattraktion der Insel zu: der Abtei. Dem National Trust gehören zwar 99% der Insel, ausgenommen davon ist allerdings die Abtei, wo ich mich genötigt sehe, eine "freiwillige" Spende in Höhe von 2 £ als Eintritt zu berappen. Dafür ist das alte Gemäuer ein kleines Schmuckstückchen mit den keltischen Steinkreuzen (8.-10. Jh.) und dem arkadenumsäumten Innenhof. Im 6. Jh. machte sich der irische Missionar Columba von hier aus daran, die Highlands zu christianisieren. Die kleine Insel wählte er angeblich, weil sie der erste Ort war, von dem aus er sein Heimatland nicht mehr sehen konnte.
Zurück auf Mull brauche ich zwei Stunden, bis ich wieder am Abzweig bin, kann jedoch unterwegs immer mal wieder einen schönen Blick auf Loch Scridain genießen. Die Bewohner eines kleinen weißen Häuschens am Straßenrand empfehlen mir beim Wasserholen ein Stück Wiese zwischen Straße und Meer für die Nacht, bei einer Brücke über ein Bächlein - dort würde öfter mal jemand campieren und sie selber hätten es vor Jahren auch getan (das ist überzeugend, schließlich wohnen sie jetzt hier). Die Schotten scheinen nicht zu geizig zu sein für ihren Whisky (ob wir wohl eine Einwanderungswelle zu befürchten hätten, wenn wir deutsche Whiskypreise in Schottland publik machten?), die Dame des Hauses jedenfalls genehmigt sich gerade einen ordentlichen Schluck des "Lebenswassers". Ich baue also in der Abendsonne mein Zelt am gelobten Platze auf, hänge den Schlafsack zum Trocknen, springe schnell in andere Klamotten und beschließe zur Feier des Tages, Brot in Thunfischdosenöl zu braten.
Ich genieße das ruhige Wasser bei Abendsonne, der leichte Wind vertreibt die Mücken und es wird einer der Augenblicke, die so unbezahlbar sind nach der manchmal mühseligen Strampelei und ewig die Sehnsucht nach dem nächsten Urlaub wachhalten werden.

Mi. 13.8.97, 107 km, Isle of Mull-Rundfahrt

[Etappe zeigen] Gut, daß ich gestern nicht weiter nach dem in der Karte verzeichneten Rastplatz gesucht habe, ich kann ihn nämlich heute nirgendwo entdecken. Immerhin beginnt der Tag mit der Fahrt durch ein kleines saftig-grünes Tal hinüber zur anderen Seite der Inselnase. Dort schlängelt sich die Uferstraße dicht an die seitlich steil aufragenden Felswände gedrängt hinein ins Loch na Keal. An dessen Ende wäre es sicher möglich, das Zelt mal für eine Nacht aufzustellen, außerdem ergibt sich auf den folgenden Kilometern Richtung Dervaig nicht so schnell wieder eine gute Gelegenheit.


Hochlandrinder

Eine alternative Route bietet sich ab Gruline Richtung Salen an. Sie erspart eine ganze Menge nerviger Höhenmeter, die mir wetterbedingt selbst nicht viel geben (es ist bewölkt und düster). Erwähnenswert ist vielleicht nur die Calgary Bay mit türkisfarbenem Wasser und weißem Sandstrand. Wer trotzdem in Tobermory die Destillerie und die bunte Häuserzeile am Hafen anschauen möchte, kann bei Achleck den äußersten Zipfel der Inselrundfahrt abkürzen - und mir hinterher Bescheid sagen, wie sich die Abkürzung gemacht hat :-).
Die A848 von Tobermory südwärts wird offenbar gerade ausgebaut und ist hinterher wohl viel besser zu fahren, hat so aber auch ihre Reize und ich fahre bei Regen Richtung Fishnish. Dort gibt es einen Rastplatz neben dem Fähranleger zum "Festland" nach Lochaline, wo ich zelte.

Do. 14.8.97, 95 km, Isle of Mull - Glen Coe

[Etappe zeigen] Beim Blick aus dem Zelt versuche ich vergeblich, meinen Platz in dieser Welt zu bestimmen. Wenn ich es nicht genau wüßte, könnte ich überall und nirgends sein - ringsum graue Suppe, das Nebelhorn der Fähre dröhnt von Zeit zu Zeit, keine 100 Meter entfernt muß sie fahren. Schon fürchte ich Arran-ähnliche Zustände. Immerhin regnet es nicht, ich packe meine Siebensachen zusammen und aufs Rad und erwische 9.10 Uhr die Fähre nach Lochaline. Schon bei der Überfahrt läßt die Sonne durch ein Wolkenloch ein gegenüberliegendes Wiesenfleckchen in einem unwirklich satten Grün erscheinen und nach meiner Ankunft auf dem "Festland" bessert sich das Wetter zusehends, so daß mich den überwiegenden Teil des Tages Sonnenschein begleitet. Etwas mühsam ist die Strecke bis Loch Sunart schon, doch bei dem schönen Wetter erscheint es halb so schlimm und zur Not hilft immer noch Schieben.


noch auf der Isle of Mull

In Strontian versorge ich mich mit dem Nötigsten (natürlich Kekse!) und fahre durch das Glen Tarbert zum Great Glen. In Corran muß ich mit der Fähre auf die andere Seite übersetzen, um den Anschluß ins Glen Coe zu bekommen. Am Taleingang steht ein Besucherzentrum, in dem in einer kurzen Videoshow das Massaker von Glen Coe, dem im Jahre 1692 der MacDonald-Clan zum Opfer fiel, erläutert wird. Und welch Unterschied zu heute morgen: tiefblauer Himmel mit vereinzelten weißen Wölkchen, besseres Wetter kann ich mir für meinen Besuch hier nicht wünschen. Leider ist das Tal viel zu kurz und ich bald wieder draußen, also zelte ich gemütlich am Straßenrand, "koche" Gemüserisotto zum Abend und freue mich auf den nächsten Tag.

Fr. 15.8.97, 116 km, Glen Coe - Bridge of Orchy - Fort William

[Etappe zeigen] Noch nie hatte ich mich auf einer Radtour wirklich über Mücken beschweren können, weshalb dieses Jahr der chemische Mückenschutz mit Recht zu Hause blieb. Dieser Morgen jedoch sollte mich für all die verpaßten Gelegenheiten, von Mücken gefressen zu werden, entschädigen. Beim Blick durch das Mückennetz vorm Zelteingang sehe ich nur ein paar wenige Exemplare sich unterm Zeltdach tummeln und traue mich ohne weiteren Schutz aus dem Zelt - das war ein Fehler, denn in Windeseile scheint sich die frohe Kunde vom unverhofften Frühstück unter allen Mücken des Moores zu verbreiten und sie kommen in solchen Scharen, daß sie sich im Gesicht wie ein kräftiger Nieselregen anfühlen, doch ist dieser Regen lebendig, hinterläßt kleine rote Pünktchen und ist auch durch schnelles Radfahren nicht abzuschütteln (ein neuerliches Massaker von Glen Coe?!).
Welch ein Erlebnis, endlich wieder auf dem Rad zu sitzen, inzwischen bei echtem Regen, aber was bedeutet das schon angesichts der Plage, der ich entrinnen konnte. Ich radele also das letzte Stückchen durch das Rannoch Moor, der höchste Punkt liegt 348m über NN, verlasse kurz die Highlands, bis Bridge of Orchy. Dort versorge mich mit frischem Wasser und kehre um - wieder zurück in die Highland-Region. Unterwegs ein Bus voll tschechischer Touris - und ich bin trotz Regen froh über mein Radlerleben, nein, diese Zwangsfotopausen irgendwo auf einem Parkplatz und dann aber flott-flott und wieder rein in den Bus, hatten mir schon als Zuschauer in Helsinki nicht gefallen, da bin ich froh, die Landschaft so langsam vorüberziehen zu sehen, anhalten zu können, wo ich möchte, frische Luft zu atmen und bei alledem dank Gore-Tex noch halbwegs trocken trotz Regen davonzukommen.
Als ich meinen Lagerplatz passiere, kann ich mich vergewissern, trotz meiner Eile nichts vergessen zu haben und fahre beruhigt weiter. Leider versäume ich, die Regenhose für die lange Abfahrt im Glen Coe anzuziehen, so wird's naß und kalt. Trotzdem eine phantastische Gelegenheit, diese atemberaubende Landschaft einmal bei prächtigem Sonnenschein und dann wieder bei gräßlich schlechtem Wetter zu sehen - wo sonst fährt man schon zwei Mal die selbe Strecke. Wieder beim Besucherzentrum lege ich meine Mittagspause ein, nachdem ich mir die Regenhose dann doch übergezogen habe - allein wegen der Wärme. Ich verkrieche mich mit Erdnußbutter und Weißbrot in eine Nische, lausche der Videovorführung, genieße das Päuschen und die Besucher, die fröstelnd flink sich vor dem Nieselregen in Sicherheit zu bringen trachten, dabei immer mal wieder einen Blick auf den bescheuerten Radfahrer werfend, der da in der Ecke steht.
Eine Umweg entlang Loch Leven nehme ich des versprochenen Erlebniswertes wegen in Kauf und kann ihn besonders bei schönem Wetter auch weiterempfehlen. Danach geht es zügig auf Fort William zu, jetzt wieder auf einer vielbefahrenen A82 entlang Loch Linnhe.
An der kleinen Straße nördlich von Fort William Richtung Torcastle findet sich ein grasiger Platz am Straßenrand für mein Zelt und den ganzen Abend über stören mich gerade mal 5 Fahrzeuge!

Sa. 16.8.97, 75 km, Abstecher nach Glenfinnan

[Etappe zeigen] Das Motto für den Tag: Wie kriege ich selbigen am geschicktesten herum. Nicht besonders geschickt, aber wenigstens besser als nichts erscheint mir ein Besuch des Glenfinnan Monuments am Loch Shiel. Vorher beehre ich die "Dew of Ben Nevis"-Destillerie, habe aber keine Lust, auf die nächste Führung zu warten und kaufe nur eine Miniaturflasche (dank des freundlichen Verkäufers fasse ich gleich noch ein "dram" ab, da das Tablett für die nächsten Gäste schon bereitsteht - da beginnt der Tag doch gleich ganz anders). Ein kurzer Abstecher nach Fort William zum Kaufen einer Kulimine und dann hat mich die Straße wieder. Die A830 hat zwar landschaftlich nicht viel zu bieten (zwischen ihr und Loch Eil fährt die Eisenbahn entlang, die auf dem Viadukt in Glenfinnan ein hübsches Bild abgibt), ist aber wenigstens pfeilschnell zu fahren.


Highland Games

Als ich 12.45 Loch Shiel erreiche, ist der Parkplatz brechend voll mit Autos und Bussen, Musik spielt (oder besser: Dudelsäcke dudeln) ... Ein paar kostümierte Gestalten geben denn auch bereitwillig Auskunft, daß heute Highland Games stattfänden - na wenn das zu meiner unzureichenden Tagesplanung nicht paßt wie die Faust auf's Auge.
Fix Fischpicknick, dann schaue ich zur Wettkampfwiese. Zur Zeit läuft der Wettbewerb im Kugelstoßen, später gefolgt vom Hammer- und gekrönt vom Baumstammwerfen, bei dem nicht allein der Überschlag des Stammes zählt, sondern auch das Landen nahe der "Zwölf-Uhr-Position". Nebenbei werden traditionelle schottische Tänze aufgeführt, Hochsprung ohne "Netz und doppelten Boden" praktiziert und unter Einbeziehung von willigen Zuschauern ein Wettlauf auf den nahen Hügel veranstaltet. Zusammen mit dem Dudelsack-Wettstreit, den vielen "Freßbuden" und Ahnenforscher-Ständen ein richtig buntes und sehenswertes Programm. Ich verabschiede mich am späten Nachmittag, um nicht zu spät mein Zelt aufschlagen zu müssen.
Auf dem Rückweg Richtung Fort William präsentiert sich der Ben Nevis noch, beschienen durch ein Wolkenloch, als krönender Abschluß. Bei Spean Bridge finde ich einen Platz für die Nacht.

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