Jedburgh - Kielder - Hexham - Newcastle - Hamburg
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Nach einer angenehm ruhigen Nacht beginne ich bei
grauem Himmel den letzten Tag in Schottland. Zum ruhigen Plätschern
des Rivers Tweed gesellt sich bald das emsige Rauschen meines
Benzinkochers, der das Wasser für einen großen Pott
englischen Breakfast-Tees kocht.
Mit dem Aufbruch habe ich so kurz vor Newcastle keine
Eile und packe in Ruhe meine Siebensachen, ein wenig Nieselregen
setzt beim Losfahren ein und so verzichte ich auf einen ausgedehnten
Besuch der Kelso Abbey, eine Ruine sieht bei solchem Wetter eben
noch ein bißchen ruinierter aus. Die ersten gemütlichen
Radel-Kilometer bringen mich nach Jedburgh - einer kleinen Stadt,
die neben der beeindruckenden Abteiruine aus dem 12.-14. Jahrhundert
und dem Queen Mary's House auch den "last shop in Scotland"
zu bieten hat, weit ist es nicht mehr bis zur Grenze.

Abend am Tweed
Leider hüllen sich die versprochenen bewaldeten
Hügel in Dunst, lassen aber trotzdem ahnen, welcher Kontrast
zu den kahlen Highlands Besucher hier bei schönem Wetter
erwartet. So bilden die rosafarbenen Blüten am Straßenrand
einen fantastischen Kontrast zum Wetter, als ich mich die letzten
Meter eines Anstieges hinaufmühe und es so düster ist,
daß entgegenkommende Autos mit Licht fahren müssen.
Und am letzten Augusttag des Jahres beende ich um
16:49 an der schottisch-englischen Grenze meinen Schottland-Aufenthalt,
obgleich nicht meine Reise. Das größte Waldgebiet Großbritanniens,
Kielder Forest, mit dem Stausee Kielder Water empfängt mich
kühl und nebelig, doch dafür ist kaum ein Erholungssuchender
in dem riesigen Urlaubsareal unterwegs und ich habe die Straße
für mich. Ein Parkplatz mit schönem Talblick wird mir
zum Platz für die Nacht, eine letzte warme Tütenmahlzeit
findet sich noch in der Tiefe meiner Packtaschen und der Kamillentee
beruhigt eine aufkeimende Erkältung, bevor ich müde
und zufrieden in den Schlafsack krieche.
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Dieser Tag verspricht einer der weniger erhebenden
zu werden, am Morgen nieselt unentwegt Regen aufs Zelt, mehr,
als mich bis nahe an Newcastle heranzupirschen, habe ich heuer
nicht vor. Beim Frühstück entdecke ich die Stelle, an
der letztlich die Maus knabberte: meine Kinderflakes. Kurz vor
12.00 beginne ich nach seelenruhig verbrachtem Vormittag doch
noch den Radeltag. Vom nahen Fluß ist leider wenig zu sehen,
der Himmel zeigt sich immer noch einheitsgrau, inzwischen jedoch
ohne Regen. An Bellingham vorbei (das Flüßchen wird
zum North Tyne) folge ich immer der Beschilderung "Hexham",
manchmal bläst der Wind so stark, daß ich befürchte,
den Hügel rückwärts wieder hinaufzurollen, statt
vorwärts und hinunter. Bald erreiche ich ein Stück meiner
Hinfahrtstrecke - den Kreisverkehr in Chollerford. Den Besuch
im Fort könnte ich jetzt nachholen - besitze im Moment aber
nur 21 Pence. Also weiter nach Wall. Dort lädt die Dorfwiese
zur Mittagsrast ein, eine Menge Brombeergebüsch mit reifen
Früchtchen steht herum. Auf der großen Wiese ist zu
meiner großen Überraschung per Schild das Zelten für
lediglich eine Nacht erlaubt! Angesichts der ebenfalls vorhandenen
Toiletten ein echter Geheimtip auch für Radeln entlang des
Hadrians Wall. Nach Stärkung mit Sardinen erreiche ich bald
Hexham. Als ich dort das Kaufhaus verlasse, ist der graue Himmel
wie weggeblasen und macht strahlendem Sonnenschein Platz (der
zweite überraschende Wetterwechsel neben dem in Dufftown).
Vesper auf der Bank vor der Touristinfo. Die 2-Liter-Flasche Cream-Soda
ist binnen einer Stunde Geschichte. Hexham verfügt im übrigen
über eine erhaltene Abtei, die etwas von dem Eindruck vermittelt,
den all die anderen Gemäuer einmal vermittelt haben mögen.
Die A695 führt mich schließlich ohne weitere
Besonderheiten, außer dem schönen Wetter natürlich,
nach Prudhoe. Auf der Karte entdecke ich eine kleine Stichstraße
nach Süden, sie führt vorbei an einem Krankenhaus und
schließlich zwischen Feldern und Gehöften hindurch.
Einem öffentlichen Fußweg kurz hinter einer Brücke
über eine ungenutzte Wiese folgend erreiche ich einen schönen
Platz zum Übernachten: eine riesige grüne Wiese fernab
vom Verkehrslärm ganz allein für mich. Der Himmel über
mir wolkenlos - ist schon ein komisches Wetter hier, im Moment
allerdings angenehm komisch.
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Noch 15-20 km trennen mich vom Zentrum von Newcastle,
am Abend werde ich mir einen fährnahen Zeltplatz suchen oder
zur Not hierher zurückkommen.
Im Tyneside Country Park existiert ein tw. asphaltierter
Wander- und Radweg auf einer alten Eisenbahnstrecke, ideal also
- nur Camping ist verboten. Ziemlich am Ende des Weges staube
ich in der Rangerstation eine Karte mit den Radwegen in Newcastle
ab. Mit ihrer Unterstützung und einigem Zickzack komme ich
zur Uferpromenade am Tyne mit bestem Blick auf die imposante Zahl
von Tyne-Brücken in tw. großer Höhe. Die Grey
Street hinauf fahre ich bis zum Monument für den Earl Grey
(vielleicht der, von dem der Tee seinen Namen hat?) und biege
zur Touristeninformation ab. Hier kann ich ein paar kostenlose
Sehenswürdigkeiten in Newcastle in Erfahrung bringen, außerdem
die Lage des nächsten Tesco-Supermarktes wegen Keksen und
den Preis für den Campingplatz in South Shields. Vor der
Info spricht mich ein Brite an, der gerade die Kirche sucht, wo
er seinen Namen in ein Buch für Diana setzen kann. Eine Weile
quatschen wir über mein Woher und Wohin und da ich noch ein
Musikgeschäft suche, begleitet er mich der Einfachheit halber
gleich hin und ich erfahre noch ein paar interessante Schnipsel
über Newcastle, allerdings bleibt meine Earl Grey-Frage weiter
ungeklärt. Im Unigelände existiert eine Ausstellung
zum Hadrians Wall, wo mich am meisten das maßstabsgerechte
Modell des Walls von Küste zu Küste beeindruckt hat
und ich mir den Mithras-Kult der Römer erklären lasse.
Über den Mega-Tesco in Tynehead und McDonalds (3. Eis für
heute) radele ich nach South Shields zum Campingplatz. Der erste
Blick der Platzwartin gilt meinem Fahrradschloß, es wird
für tauglich befunden und ich werde aufgefordert, mein Fahrrad
sicher am Zaun anzuketten, kein Gepäck draußen und
nicht mal in der Apsis liegen zu haben - tolle Gegend hier. Immerhin
wollen mit mir morgen noch 4 weitere Radler die Fähre nehmen
(2 "Solisten" wie ich und ein Pärchen) und es gibt
beim Abendessen wenigstens was zu erzählen.
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Was läßt sich groß berichten: Letzter
Besuch am Morgen bei Safeway, ich erstehe noch etliche Streichholzschachteln
für meine Sammlung und Toffeepfannkuchen als zweites Frühstück.
Übersetzen mit der Fähre über den Tyne, von dort
sind es nur noch wenige Minuten zum Terminal, wo außer uns
schon ein ganzer Schwung anderer Zweiradler wartet. Irgendwie
sehen alle etwas abgekämpft und müde aus, leicht dürr
oder wild mit Dreitagebärten, eingehüllt in Regenzeug
und kollektiv bis 11.00 frierend und wartend. Die britische Fahne
weht auf Halbmast und ich erfahre mit drei Tagen Verspätung
auch vom Tod der Prinzessin.

Loch Lomond
Im zum Schlafsaal umfunktionierten Kino erhasche
ich einen Platz auf dem Boden und kann einer Nacht im Liegen statt
Sitzen entgegensehen. Zügig lassen wir nach dem Ablegen Newcastle
hinter uns und sind wieder auf See. Das Deck ist diesmal wegen
des schlechten Wetters leergefegt und ich sitze mit Roland aus
Limburg und Paul aus Rostock (studienhalber) erzählender-
und essenderweise unter einem Vordach.
Später verkriechen wir uns in die Wärme
des Schiffes, das inzwischen ganz erheblich zu schaukeln begonnen
hat. Wir haben den besten Platz gegenüber der Schiffsinfo
- der zentralen Sammelstelle für alle Seekranken, die dort
zwei Pillchen bekommen. Roland vergeht der Appetit, ich komme
mit leichten Kopfschmerzen davon und torkele (nüchtern wohlgemerkt)
mit allen anderen Passagieren durchs Schiff.
Ab 21.00 statten wir zu zweit dem Schiffsklub einen
Besuch ab, wo das Unterhaltungsprogramm so schlecht ist, daß
es schon fast wieder lustig wird. Auffällig ist die große
Zahl der asiatischen Beschäftigten, im Klub-, Service- u.
Gastronomiebereich nahezu 100%.
Inzwischen ist die Elbe erreicht und der Seegang
hat ein Ende, Roland dankt's mit kräftigem Appetit. Am Vormittag
erledigen wir unsere Duty-free-Einkäufe (Whisky ist an Bord
eben erheblich billiger als in Schottland und etwas billiger als
zu Hause :-)) und setzen die letzten Pence gemeinsam in Süßigkeiten
um.
Schnell vergeht die Zeit bis 13.00, als das Schiff
in Hamburg anlegt. Nur wenige Meter sind es für mich wieder
nach Altona (allerdings beschwerlich dank der zahlreichen Einkäufe),
wieder vorbei an der Kette der Fischfirmen mit einem letzten Blick
auf den Hafen mit den bunten Containerhaufen und einem Meer von
Verladekränen (das Fahren auf der rechten Straßenseite
ist kurz ungewohnt), Paul und Roland fahren zum Hauptbahnhof.
Kaum zu Hause angekommen, ist der Sommer auch schon
wieder vorbei, die Bäume verlieren die ersten Blätter,
Briefe kosten inzwischen 1,10 DM und die Supermärkte haben
schon das volle Weihnachtssortiment aufgefahren. Willkommen daheim
- und den möchte ich sehen, dem es bei solch einem Empfang
nicht gleich wieder in den Beinen kribbelt.
Wohin mich mein Rad das nächste Mal trägt,
weiß ich noch nicht, aber Ideen bestehen schon und für
Tips bin ich nach wie vor dankbar. Vielleicht hat mal ein(e) Radler(in)
die Nase voll davon, immer nur allein unterwegs zu sein und meldet
sich? Ziemlich konkret schweben mir noch die Nordkalotte und Island
vor und ein wenig weiter weg Richtung Australien/Neuseeland bzw.
Nordamerika (ganz nördlich - Kanada oder Alaska) ist hoffentlich
auch mal drin.
Herzlichen Glückwunsch all denen, die bis hier
durchgehalten haben und Danke für das Interesse.
Schreibt doch mal!
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